1792 Die „zu bewürkende algemeine Menschenbeglückung“ mit Hilfe Mozarts?

Ziegenhagen, Franz Heinrich: Lehre vom richtigen Verhältnisse zu den Schöpfungswerken, und die durch öffentliche Einführung derselben allein zu bewürkende algemeine Menschenbeglückung. Hamburg, Selbstverlag 1792. Mit gefalt. gest. Frontispiz und 7 (1 mehrf. gefalt.) Kupfertafeln von D. Chodowiecki sowie 1 gefalt. Notenbeilage von W. A. Mozart (auf 4 Falttafeln, 8 S.). 4 Bll., 633 S. (recte 639; S. 95/96 und 233-236 doppelt gezählt), 2 Bll. Dekorativer HLdr. d. Zt., Rücken mit 2 goldgepr. bayerischen Wappenschildern und 2 stehenden Löwen, am Fuß „B. St. R.“.                €3500
Lanck./Oehler II, 119-120 und 214; Rümann 1299; Schröder 4549, 1; Bauer 1551-54, 1556-59 und Engelmann 664-667, 672-675 (Chodowiecki). – Erste Ausgabe, ein frühes Hauptwerk des utopischen Sozialismus. – Wichtigstes Werk des Hamburger Kaufmanns Franz Heinrich Ziegenhagen, in dem er seinen Versuch beschreibt, unabhängig von der bestehenden Gesellschaft eine separatistische Kolonie als landwirtschaftliche Erziehungsstätte zu begründen. Diese Anstalt sollte später in ein Gemeinwesen mit kollektivem Eigentum überführt werden. Ausgehend von den Ideen Rousseaus forderte Ziegenhagen, das rechte Verhältnis der Dinge wiederherzustellen, um gut und glücklich zu leben. Chodowieckis wunderbares großes Faltkupfer – „eine besonders interessante und lustige großformatige gefaltete Tafel“ (Lanck.Oehler) – zeigt das Ideal einer solchen Anlage. 1788 kaufte Ziegenhagen in Billwerder bei Hamburg ein landwirtschaftliches Gut, um eine solche Institution zu begründen, die exemplarisch seine Ideen vom Gemeineigentum, dem Gedanken des Kollektivs und sozialer Sicherheit praktizieren sollte. Er appellierte vergeblich an wohlhabende Bürger, den Adel und sogar an den französischen Konvent, die Anlage ähnlicher Kolonien zu unterstützen und scheiterte schließlich mit seinem Projekt. Nach 12 Jahren verkaufte er das Billwerder Gut, kehrte 1802 in seine elsässische Heimat zurück und beging dort vier Jahre später Selbstmord. Das vorlieg. Werk ist neben seiner philosophischen Bedeutung nicht zuletzt auch aufgrund der hervorragenden Chodowiecki-Illustrationen bedeutsam. „Die Kolonie mit ihrer in Vogelperspektive gegebenen Übersicht der Gebäude und Plätze, mit ihren spielenden Kindern und grasenden Viehherden verdeutlicht die Ziegenhagenschen Lehren, ohne der künstlerischen Wirkung Abtrag zu tun. Auch die weiteren Tafeln, eine anatomische Lehranstalt, eine Schmiede, die Werkstatt des Drechslers und Mechanikers, die Stuben des Naturlehrers und Schulmeisters sind in der Ausführung besonders fein …“ (ebd.). – Immerhin gelang es Ziegenhagen, W. A. Mozart für die Vertonung eines exemplarischen Liedes zu gewinnen. Als 8-seitigen Notenanhang ist die 1791 – und damit zeitgleich mit seiner Komposition der Zauberflöte – entstandene Kantate diesem Werk beigefügt (KV 619. – RISM M 4161), deren Text eine deutliche Verbindung zu freimaurerischen Ideen aufweist und der im gleichen Jahr auch separat als Einblattdruck erschien (Wolfstieg 41259). Da das Werk jenseits seiner Illustrationen bibliographisch kaum Erwähnung findet und auch Ziegenhagen selbst wenig Eingang in die einschlägige lexikalische Literatur gefunden hat, ist durchaus bemerkenswert, dass sich ein Exemplar in der Bibliothek der Bayerischen Regierung befand. – Minimal berieben. Vorderes Gelenk oben mit kleiner Wurmspur. Titel verso alt gestempelt. Das Frontispiz mit kl. Einriss. Schönes Exemplar, das feine Schreibpapier durchgehend sehr sauber!

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Custos, Dominicus: Contrafehe Der Herrn Fugger, und Frawen Fuggerin wöllche in disem geschlecht geporen worden oder zue demselben sich ehelich verpflichtet haben. (Titelrückseite:) Diß Werck/ Hat auff der Wolgebornen Herren Fugger … uncosten/ vor sechs und zwaintzig Jaren/ Dominicus Custos … in Kupffer gestochen an tag geben. Welches an jetzt/ durch Lucasen und Wolffgangen die Kilian/ gebrüdere/ Burgere und Kupfferstechere zu Augspurg gemehret/ und mit Fuggerischer Genealogi von newem gezierdt/ wider in truckh kommen thut. Augsburg, Mang 1620 (verso 1619). Mit gest. Titel, gest. Wappentafel, 129 gest. Portraits von D. Custos sowie Lukas u. Wolfgang Kilian gest., mit rückseitigem Text. 1 Bl. Register. – Angebunden: Signiertes Manuskripf des bayerischen Juristen, Historikers und Archivars Felix Joseph (von) Lipowsky: Materialien, Leitwaege und Ergaenzungen zur Genealogie und Geschichte (…) der Herren Fürsten und Grafen Fugger. München, 1820. 230 num. Bll. HLdr. d. Zt. 29 x 20 cm.                    €3800

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