Johanna Sophia Liebscher und ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten

Prodigien. –  Diese unglückliche Vater und Mutter lose Waise Johanna Sophia Libscherin ist eines Müllers Tochter aus Clausnitz, 4 Meilen von Dresden, ist von gutem Verstande, lernet leicht, kan lesen und schreiben. Ich habe sie nach dem Leben gezeichnet. Man siehet an keinem Bein ein Knie. Wenn sie stehet, so stehet sie auf dem rechten Bein, mit dem lincken arbeitet und isset sie, am rechten sind nur vier Zehen, der Fuß Daume ist von der folgenden Zehe separiret, und die andern sind zusammen gewachsen. Kan nichts mit verrücken, außer das sie etwas mit hält. Sie ist XXII Jahr alt gesund und wohl disponiret. Dresden, 1769. Radierung von O(tto) C(christian) Sahler. Blattgr. 43 x 31 cm. – Bildgr.: 36 x 25 cm.     €1200

Für mich bibliographisch nicht nachweisbare, offenbare sehr seltene und durch die nackte Präsentation höchst ungewühnliche Darstellung der Fußkünstlerin Johann Sophia Liebscher. Eine weitere bekannte Darstellung im bekleideten Zustand gibt Sayda in Sachsen als Wohnort an und beschreibt ihre Fähigkeit, einen Revolver laden und sogar damit schießen zu können. Die nach der Altersangabe im zitierten Schriftsockel ca. 1747 geborene Frau wurde wohl von ihrem Vater Christian Liebscher über lange Jahre auf Jahrmärkten zur Schau gestellt; bei einem Auftritt 1792 in Wien wurde noch vermerkt, sie hätte sich „sich bei vielen Königen, Fürsten und Grafen zu präsentiren, sowohl in Frankreich, Holland, Dänemark, als Deutschland; und überall allen Beyfall erhalten, welches sie auch durch viele Attestate beweisen kann.“. – Der sehr geschäftstüchtige und wohl auch skrupellose Vater vermerkt auf einer Ankündigung „Das Portrait der obigen Mademoiselle sammt ihren Kunstvorstellungen sauber in Kupfer gestochen, ist um 4 kr. bey mir zu haben“. Womöglich wurde dieses Blatt der noch jugendlichen Frau so vertrieben. Ein weiterer und wohl letzter Auftritt ist im Folgejahr in Leipzig nachweisbar.

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