Autorenarchiv

1795 Revolutionäre auf dem Catwalk?

Grasset de Saint-Sauveur, (Jacques): Amtskleidungen der Stellvertreter des Franzosischen Volks und der ubrigen Staatsbeamten der Republik Frankreich. Nach den Originalzeichnungen welche durch den Minister der innländischen Angelegenheiten zur öffntlichen Bekanntmachung der Bürger Grasset de Saint-Sauveur übergeben wurden. – Costumes des représentans du peuple, membres des deux conseils, du directoire exécutif, des ministres, des tribunaux, des messagers d’État, huissiers, et autres fonctionnaires publics, etc. Paris, Deroy (1795).

Mit franz. und deutschem Drucktitel, gest. franz. Titel mit kolor. Vignette und 16 kolor. gest. Kostümtafeln. 19 Bll. (pag. 4-21).  Pappband d. Zt.          €1400

Lipperheide Ob7; Colas 1296; Hiler 390;- Cohen-Ricci 452. – Sehr seltene Folge von Kupfern, die Amtstrachten zur Zeit des Direktoriums darstellen. – Französisch-deutscher Paralleltext u. zweisprachige Unterschrift. – Gering berieben. Etwas braunfleckig.

 

       

1760 Herrn Justis Betrachtungen über die Polizei

 Die Grundfeste zu der Macht und Glückseligkeit der Staaten; oder ausführliche Vorstellung der gesamten Policey-Wissenschaft. 2 Bände. Königsberg und Leipzig,Hartungs Erben und Woltersdorf Wwe. (Bd. 2), 1760 – 1761. Mit 5 gefalteten Tabellen. 12 Bll., 782 S.; 8 Bll., 651 S. Rote HLdr.-Bde. d. Zt. mit Rückenverg. 23,5 x 19 cm.                                                                                              €1800

ADB XIV, 749; Masui 915; Humpert 8496. Kress 5863; Einaudi 3103 – Erste Ausgabe des wichtigen Werkes des Kameralisten Justi (1720-1771), der „beeinflußt vor allem durch Pufendorf und Wolff, aber auch durch Montesquieu, als Befürworter einer durch Grundgesetze gemilderten absoluten Monarchie als idealem Staatsgebilde [gilt]. Seine Trennung von Polizei- und Finanzwissenschaft trug ihm den Ruf eines ersten systematischen Vertreters der Verwaltungslehre ein. Die Polizeiwissenschaft ist für ihn neben der Kameral- und Finanzwissenschaft und der eigentlichen Ökonomik ein Unterbegriff der Sozialwirtschaftslehre, die, entsprechend dieser Einteilung und ausgehend vom kameralistischen Eudämonieprinzip, 3 Faktoren zur Grundlage hat: die äußere und innere Sicherheit und den Reichtum des Staates. (NDB X, 707 ff.). —- „Der Gegenstand der Justischen Untersuchung ist das, was die deutschen Historiker den Wohlfahrtsstaat nennen, und zwar in seiner geschichtlichen Individualität und all seinen Aspekten. Das soll heißen, daß er die Wirtschaftsprobleme vom Standpunkt einer Regierung aus behandelte, die die Verantwortung für die moralischen und wirtschaftlichen Lebensverhältnisse -…- besonders aber für jedermanns Beschäftigung und Unterhalt, für Verbesserung der Produktionsmethoden und Produktionsorganisation, für ausreichende Rohstoff- und Nahrungsmittelversorgung (etc.) … übernommen hat. … Ungeachtet seiner Anerkennung staatlicher Reglementation (und Förderung) …, stellte er (jedoch) den allgemeinen Grundsatz auf, daß alles was Handel und Gewerbe benötigten, Freiheit und Sicherheit seien. … Er sah das praktische Argument für das laisser-faire nicht weniger deutlich als Adam Smith.“ (Schumpeter, Gesch. der ökonomischen Analyse, S. 229 ff). – Etwas berieben, eine Decke fleckig. Untere Rückenenden mit kl. Papieretikette. Titel verso gestempelt. Vorderer fl. Vorsatz bei Bd. 2 fehlt. Insgesamt recht gutes und fleckenfreies Exemplar!

 

Grausame Hinrichtung eines Mainzer Juden

Eüchentliche Abbiltung einnes Juden welcher den 2/12. Martzi zu Maintz. Wegen grosser Morthat und Diebstall halben an Händ und Füssn ist auf gehängt Worten welchen er 6 Gantze Stund Iämerlich geschrien hat. der Judt hat noch 6 Kinder in Leben. — . Zeigt den Gehängten in Pluderhose und mit Kräuselkragen, ein spanischer Hut mit Judenring liegt unter ihm. O. O., ca. 1730. Anonymer Kupferstich. Bildgröße 25:17 cm.                                                                                      €2000

Für mich bibliographisch nicht nachweisbarer Einblattdruck. – Leicht fleckig. Rechter abgerissener Rand ergänzt und Bildverluste nachgezeichnet, weitere kl. Randeinrisse hinterlegt. Mit horizontaler Faltstelle.

 

1755 Die Frau als Ärztin? Der Schreck musste verarbeitet werden!

Die preißwürdigste Aertztin Friederica. Frankfurt, 1755. Mit gest. Frontispiz und gefalt. Tabelle. 298 S., 1 Bl. HPrgt. d. Zt.                                                              €2000

Hayn-Got. II, 446: „Die Heldin ist eine Fischerstochter von der Insel Fehmarn und besteht als Student der Medicin auch hier in Männerkleidung allerhand galante etc. Abenteuer. Einiges in Versen. Zugleich eine kleine Encyclopädie der Wissenschaften! Ein veritables Curiosum!“. –  Sehr seltene und ungewöhnliche Schrift, wohl als Reaktion auf die 1754 erfolgte Promotion der ersten deutschen Ärztin Dorothea Christiane Erxleben erschienen. – Das schöne Frontispiz zeigt die Heldin vor einem Apothekenschrank, dessen jeweiligen Schubläden mit ideellen Werten wie Amor, Fides, Justitia etc. beschriftet sind. – Etwas berieben. Am unteren Titel verso Papierstreifen mit zeitgen. Eintrag „Ex Bibliotheca Ernst Heinrich Martens“, fliegender Vorsatz mit Kaufeintrag von 1804 eines Christian Gottfried Hagen, der das Buch in einem Antiquariat erworben hatte. Blatt A4 verso an der unteren Ecke mit kleiner Hinterlegung, die wenige Buchstaben der das Vorwort beschließen Grußformel des unbekannt gebliebenen Verfassers abdeckt. Wenig fleckig, insgesamt recht gutes Exemplar.

 

1764 Das grausame Ende der Kunzisch-Mehnertisch- und Heßischen Bande

Räuber. –  Actenmäßiger Verlauf, die vor denen Wohledlen Stadt-Gerichten zu Leipzig, wegen verschiedener Erzdiebe und Räuber, welche sich zu der Kunzisch-Mehnertisch- und Heßischen Bande gehalten, ergangene Peinliche Untersuchung, derer Inquisiten gethanes Bekänntnis, Todes-Urthel und dessen am 3ten Jun. 1763. auf dem Marckte allhier, auf einem besonders erbauten Gerüste, ingleichen am 27ten Januar. 1764. an gewöhnlicher Feimstädte darauf erfolgte Vollziehung betreffend. Leipzig,  1764. Mit g est. Frontispiz und 5 Kupfertafeln. 3 Bll., 260 S. Neuer Pappband mit goldgepr. Deckeltitel. 20 x 17 cm.                €1800

Avé-Lallemant I, 238; Huelke-Etzler I, 2317. – Berichtet über Verhaftung, Prozess und die in Leipzig erfolgte Hinrichtung von 6 Angehörigen einer Räuberbande, darunter der Anführer J. G. Kunze. Die aus 40 Mitgliedern bestehende Bande bewegt sich zwischen Hessen und Böhmen und beging unzählige Einbrüche und Pferdediebstähle. Während der scharfen Befragung erbot sich der Anführer, trotz behaupteter Schuldlosigkeit, „als Vergeltung für seine gebetene Freilassung, ein Gaunerbuch zu schreiben und damit allen Diebereien in Zukunft vorzubeugen“ (Ave-Lallemant). Das Mitglied Johann Andreas Bamberg simulierte Wahnsinn und konnte so seine Hinrichtung um 8 Monate verzögern. – Das Frontispiz zeigt Kunze kurz vor seiner Verhaftung als „Juncker Hans“ zu Pferde, die Tafeln andere Bandenmitglieder.

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1755 Die Frau als Ärztin? Der Schreck musste verarbeitet werden!
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Die preißwürdigste Aertztin Friederica. Frankfurt, 1755. Mit gest. Frontispiz und gefalt. Tabelle. 298 S., 1 Bl. HPrgt. d. Zt.                                                              €2000

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