Autorenarchiv

1879 Der bayerische Herkules!

Große Galla-Vorstellung mit den auserwählten Piecen. Vorletztes Auftreten des bis jetzt unbesiegten und preisgekrönten bayerischen Herkules Hans Steyrer. (Unterzeichner:) Heinrich Herzog, Direktor. München, 2. Juli (1879). Plakat mit 2 Holzschnitten. Auf grünlichem Papier. 62,5 x 21 cm.                €400

1879 suchte der Zirkus Herzog den stärksten Bayern und plakatierte diese Aktion bayernweit. Hans Steyrer (1849-1906) gewann alle Wettbewerbe und setzte zum Schluss noch einen drauf: Mit der Kraft seines rechten Mittelfingers konnte er als einziger einen 508 Pfund schweren Stein einige Sekunden lang anheben (lupfen). Seitdem wurde er „der bayrische Herkules? genannt. Ein Holzschnitt (19,5 x 19,5 cm) zeigt diese ungewöhnliche Kraftvorführung, hier noch mit einem 375 Pfund schweren Stein. – Neben dieser Auftritt, der den Ruhm des bis heute in Bayern unvergessenen Hans Steyrer begründete, gab es noch kleinen Theaterstücke, Frau Herzog mit einer Pferdenummer u. a. auf. – Linker Rand knapp beschnitten.

1849 Früher Aufruf zum Tierschutz

Der Thiere Hort oder Warnung vor Thierquälerei. Nürnberg, Renner (1849). Mit koloriertem und goldgehöhtem Titelblatt und 18 kolor. Abb. auf 9 Tafeln. 48 S. HLwd. d. Zt.                                              €1500

Rammensee 636 (kann kein Exemplar lokalisieren, nur mit Bezug auf Kayser’s Bücher-Lexicon); nicht im KVK, für mich bibliographisch sonst nicht nachweisbar. – Offensichtlich sehr seltenes Kinderbuch, mit humoristischen Geschichten in Versform die vor Tierquälerei warnen und zur Liebe zum Tier aufrufen. – Rücken berieben, Textbll. tls. leicht fleckig. Fliegender Vorsatz mit handschriftl. Widmung der Zeit und einem Kaufeintrag (Kat. 90/163 des Wiener Antiquariats V. A. Heck).

 

1614 Der Jude zu Franckfurt Stättigkeit un Ordnung.

Der Jude zu Franckfurt Stättigkeit un Ordnung. Wie dieselbe so wol von Uhralten Jahren hero/ als hernacher biß auff das Jahr 1613. gefunden worden. (Nach. S. 24 mit dem zweiten Titel:) Abschieds-Puncten/ zwischen einem Ehrsamen Rath und Burgerschafft der Stadt Franckfurt am Mayn/ Durch die von Röm. Käys. Majest. verordnete Höchst- und Hochansehnliche Herrn Commissarien vorgenommen/ beygelegt und verglichen. Jetzo aber von Ihrer Käys. Mäjest. selbsten ratificirt und confirmirt.Frankfurt, J. Saur 1614. 24 S. Mit Wappenholzschnitt auf dem zweiten Titelblatt und 2 Textholzschnitten. 41 S. Geheftet. Folio.                  €4000
Kreutzberger, Kat. Leo Baeck Institut I, A 976: „Zweiter Abdruck der ältesten Stättigkeit der Frankfurter Juden. Der erste Abdruck, erschienen im gleichen Jahr, ebenfalls bei Saur, erfolgte als ‚Raubdruck‘, ohne Genehmigung des Rates, und wurde daher wieder von ihm eingezogen.“ Dazu berichtigend sei ergänzt, dass Kreutzberger hier etwas irrt: Der erste Abdruck erschien bereits 1613. Bemerkenswert hier das Titelblatt, das einen schematischen Ring darstellt, der die erste gedruckte Darstellung einer an der Kleidung zu tragenden diffamierenden Kennzeichnung jüdischer Mitbürger ist. Die beiden kleinen Textholzschnitte stellen sog. Judenhüte dar. Auf S. 23 eine Liste der in der Frankfurter Judengasse ansässigen Familien. – Mit dem Anhang äußerst selten!

Frankfurter Judenverordnung

Der Juden zue Franckfurth Stättigkheit undt Ordnung, wie die im Rahmen der Kaysserlichen Maytt. geendert und verbessert worden de anno 1616. (Frankfurt), ca. 1753. 28 S., 9 Bll. Ohne Einband. 35 x 22 cm. €1900
Späterer Abdruck der Ausgabe 1616 mit einem Verzeichnis der Häuser in der Judengasse von 1612 und 1753 und umfangreichem Register. Bei dem 1614 antisemitischen Fettmilch-Aufstand wurden die Frankfurter Juden aus der Stadt vertrieben, ihre Häuser und ihr Besitz geplündert und vernichtet. Nach der blutigen Niederschlagung im August 1614 konnten die Juden zurückkehren; eine finanzielle Entschädigung wurde vom Magistrat beschlossen, die allerdings nie ausgezahlt wurde. Die 1616 erlassene „Judenstättigkeit“ beschränkte die Zahl der jüdischen Familien in Frankfurt auf 500. – Die S. 8 mit einem kleinen Holzschnitt, der den gelben Ring zeigt, mit dem die Frankfurter Juden sich selbst als solche kennzeichnen mussten. – Unbeschnutten. Tls. etwas fleckig.

Lewinsky & Gottheiner

Jüdische Genealogien. –  Haus Chronik der Familie Gottheiner. – Manuskript. Berlin, 1914. Handschriftl. Widmungsblatt und 7 (1 doppelblattgr.) Stammbäüme, jeweils farbig aquarelliert, sowie 9 montierte Orig.-Photographien. Lederband d. Zt. Vorderdeckel mit 4 Eckbeschlägen. 27 x 22 cm.               €5000

Hochinteressante und ungewöhnliche Sammlung von 7 Stammbäumen jüdischer preußischer Familien, die bis in 18. Jahrhundert zurückreichen. Laut dem Widmungsblatt wurde das von dem Berliner „Hof- und Wappenmaler“ Roick angefertigte Album am 24. April 1914 vom „Landrichter in Thorn“ Daniel Cohn (1881-1965; ab 1932 Reichsgerichtsrat, 1938 KZ Sachsenhausen, 1939 Emigration, verstarb in Chicago) zur Trauung dem Ehepaar Sophie Paula Lewinsky (geb. 1892, in Kaunas ermordet) und Georg Gottheiner (Münchner Kaufmann, geb. in Berlin 1880, ermordet in Dachau) überreicht. Enthalten sind nun die Stammbäüme der Familien Lewinsky, Gottheiner, Nathan, Cohn und Bernhard mit ihren Verästelungen. – Die aus Breslau stammende Familie Gottheiner lässt sich bis zum Urgroßvater der Bräutigams zurück verfolgen, ein Hirsch Sonnenfeld mit den erstaunlichen Lebensdaten 1786-1890 und dem Vermerk „Freiheitskrieger“. Die Familie Lewinsky beginnt bei David L. (1825-1893; Kaufmann in Pr. Stargard), die umfangreich erschlossenen Stammbäume Cohn und Bernhard (Mutter der Braut) zeigen als frühesten Eintrag Rabbi Jakob Kutner aus Kutnow und dessen Sohn Bär Kutner (polnisch Kuczynski; 1776-1856). – Die Fotografien mit Einzelportraits des Brautpaars und deren Vorfahren. – Eine Recherche über die Datenbank der Opfer des Holocausts (Yad Vashem) hat gezeigt, das die hier 1914 lebenden jüngeren Familienmitglieder fast vollständig in Konzentrationslagern ermordet wurden. — Bei dem Familiennamen Lewinsky kommt natürlich Monica Lewinsky, die 1995 eine folgenreiche Begegnung mit Bill Clinton hatte, unweigerlich in den Sinn. Tatsächlich ist ihr Großvater Georg(e) Lewinsky Ende der 1920er Jahre aus Berlin nach El Salvador ausgewandert. Allerdings scheint eine wenn überhaupt vorliegende Verwandtschaft eher sehr weitläufig zu sein. – Stärker berieben, Vorderdeckel etwas aufgebogen und an den Gelenken oben und unten angeplatzt, der Deckeltitel tls. abgerieben. Innen von wenigen kleinen Fingerflecken abgesehen sehr sauberes Exemplar.

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1879 Der bayerische Herkules!
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Große Galla-Vorstellung mit den auserwählten Piecen. Vorletztes Auftreten des bis jetzt unbesiegten und preisgekrönten bayerischen Herkules Hans Steyrer. (Unterzeichner:) Heinrich Herzog, Direktor. München, 2. Juli (1879). Plakat mit 2 Holzschnitten. Auf grünlichem Papier. 62,5 x 21 cm.                €400

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