Autorenarchiv

Versuch einer Geschichte Danzigs

Gralath, Daniel: Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverlässigen Quellen und Handschriften. 3 Bände. Königsberg, Hartung (Bd.3: Berlin, Maurer) 1789 – 1791. XXVIII, 544 S., 1 Bl.; XIV, 608 S., 1 Bl.; XXXII, 547 S. Braune geglättete Lederbde. d. Zt. mit reicher Rückenverg., 2 verschiedenfarbigen Rückenschildern und Deckelfileten. €2800


Wermke 7812. – Erste Ausgabe. „Eine in Betracht der mangelhaften Vorarbeiten, die ihm zu Gebote standen, schätzbare Leistung“ (ADB IX, 575). Berichtszeitraum bis 1752. – Jeder Band mit dem schönen gest. Exlibris von Christian Gottlieb Geyser für den Danziger Archidiaconus an St. Marien Carl Benjamin Lengenich (1743-1795; vgl. ADB XVIII, 257). – Tls. etwas gebräunt. Sehr dekoratives und wohlerhaltenes Exemplar!

1879 Der bayerische Herkules!

Große Galla-Vorstellung mit den auserwählten Piecen. Vorletztes Auftreten des bis jetzt unbesiegten und preisgekrönten bayerischen Herkules Hans Steyrer. (Unterzeichner:) Heinrich Herzog, Direktor. München, 2. Juli (1879). Plakat mit 2 Holzschnitten. Auf grünlichem Papier. 62,5 x 21 cm.                €400

1879 suchte der Zirkus Herzog den stärksten Bayern und plakatierte diese Aktion bayernweit. Hans Steyrer (1849-1906) gewann alle Wettbewerbe und setzte zum Schluss noch einen drauf: Mit der Kraft seines rechten Mittelfingers konnte er als einziger einen 508 Pfund schweren Stein einige Sekunden lang anheben (lupfen). Seitdem wurde er „der bayrische Herkules? genannt. Ein Holzschnitt (19,5 x 19,5 cm) zeigt diese ungewöhnliche Kraftvorführung, hier noch mit einem 375 Pfund schweren Stein. – Neben dieser Auftritt, der den Ruhm des bis heute in Bayern unvergessenen Hans Steyrer begründete, gab es noch kleinen Theaterstücke, Frau Herzog mit einer Pferdenummer u. a. auf. – Linker Rand knapp beschnitten.

Lewinsky & Gottheiner

Jüdische Genealogien. –  Haus Chronik der Familie Gottheiner. – Manuskript. Berlin, 1914. Handschriftl. Widmungsblatt und 7 (1 doppelblattgr.) Stammbäüme, jeweils farbig aquarelliert, sowie 9 montierte Orig.-Photographien. Lederband d. Zt. Vorderdeckel mit 4 Eckbeschlägen. 27 x 22 cm.               €5000

Hochinteressante und ungewöhnliche Sammlung von 7 Stammbäumen jüdischer preußischer Familien, die bis in 18. Jahrhundert zurückreichen. Laut dem Widmungsblatt wurde das von dem Berliner „Hof- und Wappenmaler“ Roick angefertigte Album am 24. April 1914 vom „Landrichter in Thorn“ Daniel Cohn (1881-1965; ab 1932 Reichsgerichtsrat, 1938 KZ Sachsenhausen, 1939 Emigration, verstarb in Chicago) zur Trauung dem Ehepaar Sophie Paula Lewinsky (geb. 1892, in Kaunas ermordet) und Georg Gottheiner (Münchner Kaufmann, geb. in Berlin 1880, ermordet in Dachau) überreicht. Enthalten sind nun die Stammbäüme der Familien Lewinsky, Gottheiner, Nathan, Cohn und Bernhard mit ihren Verästelungen. – Die aus Breslau stammende Familie Gottheiner lässt sich bis zum Urgroßvater der Bräutigams zurück verfolgen, ein Hirsch Sonnenfeld mit den erstaunlichen Lebensdaten 1786-1890 und dem Vermerk „Freiheitskrieger“. Die Familie Lewinsky beginnt bei David L. (1825-1893; Kaufmann in Pr. Stargard), die umfangreich erschlossenen Stammbäume Cohn und Bernhard (Mutter der Braut) zeigen als frühesten Eintrag Rabbi Jakob Kutner aus Kutnow und dessen Sohn Bär Kutner (polnisch Kuczynski; 1776-1856). – Die Fotografien mit Einzelportraits des Brautpaars und deren Vorfahren. – Eine Recherche über die Datenbank der Opfer des Holocausts (Yad Vashem) hat gezeigt, das die hier 1914 lebenden jüngeren Familienmitglieder fast vollständig in Konzentrationslagern ermordet wurden. — Bei dem Familiennamen Lewinsky kommt natürlich Monica Lewinsky, die 1995 eine folgenreiche Begegnung mit Bill Clinton hatte, unweigerlich in den Sinn. Tatsächlich ist ihr Großvater Georg(e) Lewinsky Ende der 1920er Jahre aus Berlin nach El Salvador ausgewandert. Allerdings scheint eine wenn überhaupt vorliegende Verwandtschaft eher sehr weitläufig zu sein. – Stärker berieben, Vorderdeckel etwas aufgebogen und an den Gelenken oben und unten angeplatzt, der Deckeltitel tls. abgerieben. Innen von wenigen kleinen Fingerflecken abgesehen sehr sauberes Exemplar.

1531 Martin Luther

Luther, Martin: Eyn predig vo(n) der zerstörung Hierusalem, vnnd von der greülichen straffe, der, so das Euangelion verachten vnd mißbrauchen, auch jre heimsuchung nit erkennen. Den. 13. Augusti. 1531. (Nürnberg, Jobst Gutknecht, 1531). Mit Holzschnitt-Titelbordüre. 5 Bll. Brauner Halbmaroquin um 1900 mit goldgepr. Rückentitel. 4°.                   €1400
VD 16, L 5739; BL 2970. – Eine von drei Druckvarianten der ersten Ausgabe. – Die hübsche mehrteilige Titeleinfassung mit zwei Putten hinter Säulen abgeb. bei Luther, Taf. 123; nicht bei Johnson u. Pflugk-H. – Mit Exlibris des bedeutenden Reformationssammlers William Jackson, dessen Sammlung 1934 versteigert wurde. – Ohne das w. Schlussblatt. Einige alte Marginalien.

Johanna Sophia Liebscher und ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten

Prodigien. –  Diese unglückliche Vater und Mutter lose Waise Johanna Sophia Libscherin ist eines Müllers Tochter aus Clausnitz, 4 Meilen von Dresden, ist von gutem Verstande, lernet leicht, kan lesen und schreiben. Ich habe sie nach dem Leben gezeichnet. Man siehet an keinem Bein ein Knie. Wenn sie stehet, so stehet sie auf dem rechten Bein, mit dem lincken arbeitet und isset sie, am rechten sind nur vier Zehen, der Fuß Daume ist von der folgenden Zehe separiret, und die andern sind zusammen gewachsen. Kan nichts mit verrücken, außer das sie etwas mit hält. Sie ist XXII Jahr alt gesund und wohl disponiret. Dresden, 1769. Radierung von O(tto) C(christian) Sahler. Blattgr. 43 x 31 cm. – Bildgr.: 36 x 25 cm.     €1200

Für mich bibliographisch nicht nachweisbare, offenbare sehr seltene und durch die nackte Präsentation höchst ungewühnliche Darstellung der Fußkünstlerin Johann Sophia Liebscher. Eine weitere bekannte Darstellung im bekleideten Zustand gibt Sayda in Sachsen als Wohnort an und beschreibt ihre Fähigkeit, einen Revolver laden und sogar damit schießen zu können. Die nach der Altersangabe im zitierten Schriftsockel ca. 1747 geborene Frau wurde wohl von ihrem Vater Christian Liebscher über lange Jahre auf Jahrmärkten zur Schau gestellt; bei einem Auftritt 1792 in Wien wurde noch vermerkt, sie hätte sich „sich bei vielen Königen, Fürsten und Grafen zu präsentiren, sowohl in Frankreich, Holland, Dänemark, als Deutschland; und überall allen Beyfall erhalten, welches sie auch durch viele Attestate beweisen kann.“. – Der sehr geschäftstüchtige und wohl auch skrupellose Vater vermerkt auf einer Ankündigung „Das Portrait der obigen Mademoiselle sammt ihren Kunstvorstellungen sauber in Kupfer gestochen, ist um 4 kr. bey mir zu haben“. Womöglich wurde dieses Blatt der noch jugendlichen Frau so vertrieben. Ein weiterer und wohl letzter Auftritt ist im Folgejahr in Leipzig nachweisbar.

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Versuch einer Geschichte Danzigs
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Gralath, Daniel: Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverlässigen Quellen und Handschriften. 3 Bände. Königsberg, Hartung (Bd.3: Berlin, Maurer) 1789 – 1791. XXVIII, 544 S., 1 Bl.; XIV, 608 S., 1 Bl.; XXXII, 547 S. Braune geglättete Lederbde. d. Zt. mit reicher Rückenverg., 2 verschiedenfarbigen Rückenschildern und Deckelfileten. €2800

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