Autorenarchiv

1622 Eine nackte Musikerin!

Alte Geige der Warheit/ mit einer newen Quinte. (Augsburg, Greuter und Mang?), ca. 1622. Einblattdruck mit Kupferstich und vierspaltig gedrucktem Text in Reimen, 38,5 x 27,5 cm; Kupferstich: 17,3 x 11,8 cm).        €3900

Vgl. VD 17 23:708452B (dort als Flugschrift in 2 Bll. mit diesen Verlagsangaben); Ludwig Rosenthal (München, ca. 1885), Kat. 65, Nr. 1408 (vorliegendes Exemplar),  Im deutschen Wörterbuch von J. und W. Grimm (Bd. V, Sp. 2570) werden einige Verse zum Lemma ‘Geige’ aus dem seltenen Flugblatt zitiert: „wie kömmts doch, dasz allein / ich armes jungfräulein / musz so verhasset sein / mit meiner geig so fein? / den text gar scharf ich geig, / wahrheit ich nicht verschweig, / ich geig sie kurz und rund / von meines herzens grund u. s. w.“. – Die Illustration zeigt eine nackte Frau, die auf einer Geige spielt, die nur eine Saite hat. – Stellenweise unter geringem Verlust der Umrandungsbordüre (hauptsächlich rechts) beschnitten und mit Wurmspuren (teils Buchstabenverlust) aufgezogen. Die Allegorie der Wahrheit mit Ihrer Geige auf einem Podest als „Venus“ im Meer stehend, umringt von schwimmenden Hunden als Symbole des Neides.

1654 Ein schlesischer Massenmörder

Melchior Hedloff, ein Wildschütz: hat gethan 251 bekante Mordthaten: und empfängt deßwegen seinen wolverdienten Lohn zu Oels in der Schlesy, den 19. Janua: 1654. seines Alters in dem 48 Jahrs. O. O. und Dr., 1654. Einblattdruck (Kupferstich) mit Kopftitel und Legende. 18 x 22,9 cm (Darstellungsgröße). – Auf Trägerkarton.           €3000

  1. Kirchschlager, Historische Serienmörder, Arnstadt 2007, S. 103 (Abbildung). – Vgl. Drugulin II, 2397. Singer, Allgemeiner Bildniskatalog, 37493. – Melchior Hedloff zählt zu den fleißigsten historischen Serienmördern aller Zeiten und Völker: Innerhalb eines Jahrzehnts erschoss oder köpfte er 251 Männer, Frauen und Kinder aus allen Ständen. Im Zentrum des Einblattdruckes ist das Porträt des Wildschützen und Mörders Hedloff mit den beiden Gewehren zu sehen, wie er sie stets bei sich trug, rechts davon in zwei kleinen Szenen zwei seiner 251 Morde, links eine Grundrissansicht von Oels (Olesnica) in Schlesien mit der Angabe der Orte, an denen der gefasste Mörder gefoltert wurde, darunter schließlich ein Bild mit seiner Richtstätte und der Vierteilung vor großem Publikum. – Bis zur Einfassungslinie beschnitten und rundum angerändert, vertikaler Knick, unten horizontale Quetschfalte.

Adam Tanner und die Sonnenflecken in Ingolstadt

Tanner, Adam: Astrologia Sacra: Hoc est, Orationes Et Quaestiones Quinque, Quibus Explicatur, An Et Qua Ratione Fas Sit Homini Christiano, de rebus occultis, praesertim futuris, ex astris iudicium ferre / Dictae & discussae In Catholica Et Celebri Academia Ingolstadiensi, cum Anno Salutis M.DC.XIV. Die 19. Novemb. … D. Otho Henricus Bachmair Monacensis, Archidecanus & Parochus Donastauffensis & D. Fridericus Pirchinger Monacensis, Suprema Theologici Doctoratus laurea insignirentur. Promotore Adamo Tannero, E Societate Jesu …  Ingolstadt, Elisabeth Angermaier 1615. 4 Bll., 64 S. Rückenbroschur. 18 x 15 cm.          €3500

VD17 23:238787Z; Brüning, Bibliographie der alchemistischen Literatur 1097. – Interessante Disputation des bedeutenden Ingolstädter Theologen Adam Tanner (1572-1632) zu Astronomie und Astrologie. Im ersten Teil beschäftigt er sich mit Verhälnis der beiden zueinander und dem Nutzen des Gebrauchs von Teleskopen zur Beobachtung der Sterne. Im zweiten Teil u. a. über die von Galileo Galilei im Sidereus Nuncius beschriebenen Entdeckungen. Tanner hatte bereits nach Gerüchten über Galileis Erkenntnissen selbst 1611 Sonnenflecken beobachtet. – Tanner war der Astrologie gegenüber positiv aufgeschlossen, er sah darin eine Möglichkeit himmlisch Angekündigtes auf auf Erden vorher sehen zu können. Allerdings darf sie sich nicht des Magieverdachts schuldig machen. – Tanner starb in dem Dorf Unken bei Salzburg. Das Grab ist seit einem Umbau der Kirche nicht mehr auffindbar. Der Legende nach hatten die Dorfbewohner ihm vorerst ein christliches Begräbnis verweigert, weil in seinem Nachlass ein Mikroskop mit einem kleinen haarigen Insekt gefunden wurde, das sie für einen „Glasteufel“ hielten. Das Mikroskop hatte er von dem Mitentdecker der Sonnenflecken Christoph Scheiner erhalten. Auf dem Mond ist der Tannerus-Krater nach ihm benannt. – Tls. gering braunfleckig.

Geige und Spott im Dreißigjährigen Krieg

Allmodische Discant Geyge, Unlangst mit grosser müh und unkosten Nagelneu auß Utopia gebracht, jetzo aber allen dieses Spiels Liebhabern in bequeme abbildung verfertiget und in Druck gegeben. O. O., ca. 1622. Einblattdruck mit Kupferstich, darunter dreispaltig gedruckter, durch Bordüren getrennter Text in Reimen. 39 x 23 cm; Kupferstich: 12.9 x 20,1 cm).        €4800

Drugulin 2109 (datiert 1636); Weller, Annalen der poetischen National-Literatur I, 522; Ludwig Rosenthal (München, ca. 1885), Kat. 65, Nr. 1376 (wohl vorliegendes Exemplar); Über KVK nur ein Expl. in der Hofbibliothek Thurn und Taxis Regensburg nachweisbar (nicht im VD17). – Spottblatt auf die mit ihren angeblichen Heldentaten aufschneidenden Soldaten des Dreißigjährigen Krieges. Der Kupferstich zeigt eine auf freien Felde liegende riesenhafte Geige, welche von Bewaffneten zu Fuß und Ross umschwärmt wird. Zwei Haufen versuchen beiderseits den Bogen in Bewegung zu setzen, ein weiterer marschiert auf den Saiten. – Mit schmalem, leicht unregelmäßigem Rändchen um den Text und alt aufgezogen. Schwach braunfleckig.

1795 Revolutionäre auf dem Catwalk?

Grasset de Saint-Sauveur, (Jacques): Amtskleidungen der Stellvertreter des Franzosischen Volks und der ubrigen Staatsbeamten der Republik Frankreich. Nach den Originalzeichnungen welche durch den Minister der innländischen Angelegenheiten zur öffntlichen Bekanntmachung der Bürger Grasset de Saint-Sauveur übergeben wurden. – Costumes des représentans du peuple, membres des deux conseils, du directoire exécutif, des ministres, des tribunaux, des messagers d’État, huissiers, et autres fonctionnaires publics, etc. Paris, Deroy (1795).

Mit franz. und deutschem Drucktitel, gest. franz. Titel mit kolor. Vignette und 16 kolor. gest. Kostümtafeln. 19 Bll. (pag. 4-21).  Pappband d. Zt.          €1400

Lipperheide Ob7; Colas 1296; Hiler 390;- Cohen-Ricci 452. – Sehr seltene Folge von Kupfern, die Amtstrachten zur Zeit des Direktoriums darstellen. – Französisch-deutscher Paralleltext u. zweisprachige Unterschrift. – Gering berieben. Etwas braunfleckig.

 

       

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Geige und Spott im Dreißigjährigen Krieg
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 Allmodische Discant Geyge, Unlangst mit grosser müh und unkosten Nagelneu auß Utopia gebracht, jetzo aber allen dieses Spiels Liebhabern in bequeme abbildung verfertiget und in Druck gegeben. O. O., ca. 1622. Einblattdruck mit Kupferstich, darunter dreispaltig gedruckter, durch Bordüren getrennter Text in Reimen. 39 x 23 cm; Kupferstich: 12.9 x 20,1 cm). €4800

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