Archiv für die Kategorie „Allgemein“

1531 Martin Luther

Luther, Martin: Eyn predig vo(n) der zerstörung Hierusalem, vnnd von der greülichen straffe, der, so das Euangelion verachten vnd mißbrauchen, auch jre heimsuchung nit erkennen. Den. 13. Augusti. 1531. (Nürnberg, Jobst Gutknecht, 1531). Mit Holzschnitt-Titelbordüre. 5 Bll. Brauner Halbmaroquin um 1900 mit goldgepr. Rückentitel. 4°.                   €1400
VD 16, L 5739; BL 2970. – Eine von drei Druckvarianten der ersten Ausgabe. – Die hübsche mehrteilige Titeleinfassung mit zwei Putten hinter Säulen abgeb. bei Luther, Taf. 123; nicht bei Johnson u. Pflugk-H. – Mit Exlibris des bedeutenden Reformationssammlers William Jackson, dessen Sammlung 1934 versteigert wurde. – Ohne das w. Schlussblatt. Einige alte Marginalien.

Johanna Sophia Liebscher und ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten

Prodigien. –  Diese unglückliche Vater und Mutter lose Waise Johanna Sophia Libscherin ist eines Müllers Tochter aus Clausnitz, 4 Meilen von Dresden, ist von gutem Verstande, lernet leicht, kan lesen und schreiben. Ich habe sie nach dem Leben gezeichnet. Man siehet an keinem Bein ein Knie. Wenn sie stehet, so stehet sie auf dem rechten Bein, mit dem lincken arbeitet und isset sie, am rechten sind nur vier Zehen, der Fuß Daume ist von der folgenden Zehe separiret, und die andern sind zusammen gewachsen. Kan nichts mit verrücken, außer das sie etwas mit hält. Sie ist XXII Jahr alt gesund und wohl disponiret. Dresden, 1769. Radierung von O(tto) C(christian) Sahler. Blattgr. 43 x 31 cm. – Bildgr.: 36 x 25 cm.     €1200

Für mich bibliographisch nicht nachweisbare, offenbare sehr seltene und durch die nackte Präsentation höchst ungewühnliche Darstellung der Fußkünstlerin Johann Sophia Liebscher. Eine weitere bekannte Darstellung im bekleideten Zustand gibt Sayda in Sachsen als Wohnort an und beschreibt ihre Fähigkeit, einen Revolver laden und sogar damit schießen zu können. Die nach der Altersangabe im zitierten Schriftsockel ca. 1747 geborene Frau wurde wohl von ihrem Vater Christian Liebscher über lange Jahre auf Jahrmärkten zur Schau gestellt; bei einem Auftritt 1792 in Wien wurde noch vermerkt, sie hätte sich „sich bei vielen Königen, Fürsten und Grafen zu präsentiren, sowohl in Frankreich, Holland, Dänemark, als Deutschland; und überall allen Beyfall erhalten, welches sie auch durch viele Attestate beweisen kann.“. – Der sehr geschäftstüchtige und wohl auch skrupellose Vater vermerkt auf einer Ankündigung „Das Portrait der obigen Mademoiselle sammt ihren Kunstvorstellungen sauber in Kupfer gestochen, ist um 4 kr. bey mir zu haben“. Womöglich wurde dieses Blatt der noch jugendlichen Frau so vertrieben. Ein weiterer und wohl letzter Auftritt ist im Folgejahr in Leipzig nachweisbar.

Die Fugger – Eine große Familie!

Custos, Dominicus: Contrafehe Der Herrn Fugger, und Frawen Fuggerin wöllche in disem geschlecht geporen worden oder zue demselben sich ehelich verpflichtet haben. (Titelrückseite:) Diß Werck/ Hat auff der Wolgebornen Herren Fugger … uncosten/ vor sechs und zwaintzig Jaren/ Dominicus Custos … in Kupffer gestochen an tag geben. Welches an jetzt/ durch Lucasen und Wolffgangen die Kilian/ gebrüdere/ Burgere und Kupfferstechere zu Augspurg gemehret/ und mit Fuggerischer Genealogi von newem gezierdt/ wider in truckh kommen thut. Augsburg, Mang 1620 (verso 1619). Mit gest. Titel, gest. Wappentafel, 129 gest. Portraits von D. Custos sowie Lukas u. Wolfgang Kilian gest., mit rückseitigem Text. 1 Bl. Register. – Angebunden: Signiertes Manuskripf des bayerischen Juristen, Historikers und Archivars Felix Joseph (von) Lipowsky: Materialien, Leitwaege und Ergaenzungen zur Genealogie und Geschichte (…) der Herren Fürsten und Grafen Fugger. München, 1820. 230 num. Bll. HLdr. d. Zt. 29 x 20 cm.                    €3800
VD17 12:648635H; Kress S. 480; Lipperheide Da 8 (fälschlich 1618). – Seltene Ausgabe der schönen Porträtfolge mit deutschem Text. Die männlichen und weiblichen Mitglieder der verschiedenen Zweige des Hauses Fugger sind teils im Rechteck, teils im Oval in halber Figur dargestellt. – Das Manuskript enthält teils umfangreichere Biographien der Abgebildeten, meist mit besonderem Augenmerk auf die Verwandtschaftsbeziehungen. Nicht alle Portraitierten wurden von Lipowsky bearbeitet, so befinden sich zwischen den ausgearbeiteten Biographien auch eine Reihe weiß gebliebener Blätter. Es mag sich um eine Vorarbeit handeln, die woanders eine endgültige Fassung erfuhr. Eine Veröffentlichung des Manuskripts konnte ich allerdings nicht nachweisen, es ist aber sicher mit in die zahlreichen Arbeiten Lipowskys eingeflossen. – Etwas berieben und bestoßen. Vorderer Spiegel und fliegender Vorsatz mit handschriftl Register, wohl auch von Lipowsky verfasst. Kupfertitel verso gestempelt und seitlich mit Hinterlegung. Der Titel des Manuskripts verso gestempelt.

Die Urning-Ehe – Erste Forderung zur Gleichstellung Homosexueller

 
(Ulrichs, Karl Heinrich): Forschungen über das Räthsel der mannmännlichen Liebe. – „Vindex.“ Social-juristische Studien über mannmännliche Geschlechtsliebe. Erste Schrift über mannmännliche Liebe. Nachweis, I. daß sie ebensowenig Verfolgung verdient, als die Liebe zu den Weibern; II. daß sie schon nach den bestehenden Gesetzen Deutschland`s gesetzlich nicht verfolgt werden kann. Von Numa Numantius. Leipzig, Selbstverlag und Matthes in Kommission, 1864. XII, 28 S. HLwd. d. Zt.                            €2800
Herzer 157; Richter, Sexualwissenschaft III, 292. – Insgesamt erschien bis 1870 eine Folge von 12 Heften. Ab 1868 (Heft 6) bekannte sich der bedeutende Philologe und Jurist Ulrichs (1825-1895) auch öffentlich zu seinem Namen und seiner Homosexualität. Seine Schriften gelten zu Recht als Ausgangspunkt der homosexuellen Emanzipationsbewegung. – Ulrichs prägte für den homosexuellen Mann den Begriff „Urning“, die männliche Homosexualität bezeichnete er als „Uranismus“ (der Begriff Homosexualität wurde erst 1869 durch den österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny geprägt). Die vorliegende Schrift „Vindex“ (= Verteidiger) ist die erste gedruckte Schrift im deutschsprachigen Raum, die für die Rechte der Homosexuellen eintritt; 1867 trug Ulrichs seine Forderungen auf dem Deutschen Juristentag in München erstmals öffentlich vor, was tumultartige Szenen hervorrief. Auch Friedrich Engels äußerte sich gegenüber Karl Marx äußerst abfällig. – Ulrichs Forderung einer „urnischen Ehe“, auf höchstes Unverständnis seiner Zeitgenossen stoßend, ist in Deutschland am 1. 10. 2017 Realität geworden. – Etwas berieben, tls. gering fleckig. Ausgeschiedenes Exemplar der Bibliothek des Hamburgischen Gesundheitsamtes.

Neuigkeiten aus Troja!

(Columna, Guido de): Ein hubsche histori vo(n) der kunigclichen statt troy wie si zerstoerett wart. Straßburg, Johann Knobloch d. Ä., 1510. Mit Holzschnitt-Titel und 113 tls. wiederholten Textholzschnitten. 95 nummerierte Bll., 1 w. Bl. Holzdeckelband im Stil d. Zt. mit Lederrücken. 32,5 x 23 cm.                                                            €8500
VD16 H 5680 (4 Standorte); Goed. I, 372, 6,6; Gotzkowsky 245, 11; Heitz/Ritter 680; Muller 123, 88; Muther 1518. – 13. deutsche Ausgabe, die zweite, die im 16. Jahrhundert gedruckt worden ist und die erste bei Knobloch, noch mit den Holzschnitten Kistlers von 1499 illustriert. Von der Übersetzung Hans Mairs sind drei Varianten bekannt, diese stammt ursprünglich aus dem Jahr 1391 und erschien 1494 erstmals in gedruckter Form. Der große Titelholzschnitt mit der Erstürmung und der Zerstörung der Stadt Troja ist vermutlich für den Druck der vorliegenden Ausgabe hergestellt worden. Die Textholzschnitte stammen aus Kistlers Troja – Ausgabe und seinem Straßburger Druck „Montevilla“ (dazu Hain Copinger 10651 und Schramm; Straßburger Drucker, Teil 2 (Bilderschmuck 20), Tafel 1931), sie wurden zumeist seitlich beschnitten, bzw. durch zusätzliche ornamentale Leisten an den Seiten dem Satzspiegel angepasst. Sie messen ca. 75 x 130 mm (einer 200 x 135 mm). – Tls. etwas gebräunt und fleckig. Einige alte Unterstreichungen, wenigen Anmerkungen und Notizen. Tls. etwas feuchtfleckig. einige wenige kleine Wurmlöcher. Insgesamt recht gutes Exemplar der seltenen Ausgabe!

Buch der Woche
Versuch einer Geschichte Danzigs
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Gralath, Daniel: Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverlässigen Quellen und Handschriften. 3 Bände. Königsberg, Hartung (Bd.3: Berlin, Maurer) 1789 – 1791. XXVIII, 544 S., 1 Bl.; XIV, 608 S., 1 Bl.; XXXII, 547 S. Braune geglättete Lederbde. d. Zt. mit reicher Rückenverg., 2 verschiedenfarbigen Rückenschildern und Deckelfileten. €2800

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