Lesbische Liebe im vorrevolutionären Frankreich

(Vermeil, Francois Michel): Memoire pour Anne Grandjean, connu sous le nom de Jean-Baptiste Grandjean, accuse & appellant. Contre monsieur le procureur general, accusateur & intimé. Question. Un hermaphrodite qui a èpousé une fille, peut-il etre réputé profanateur du sacrement de mariage, quand la nature qui le trompoit, l’appelloit à l état de mari? Auquel on joint l’Hermaphrodite, ou Lettre d’Anne Granjean à Francoise Lambert sa femme. Paris, De l’imprimerie de Louis Cellot 1765. 32 S. Rückenbroschur.                            €1200

Gay III, 107. – Sehr seltene Oktavausgabe, im selben Jahr erschien auch eine Quartausgabe mit 23 S.; der Text ist in der hier vorliegenden Ausgabe bis S. 24 identisch, hier folgt danach mit Zwischentitel „L’hermaphrodite ou lettre de Grandjean à Françoise Lambert, sa femme“ von dem Mediziner Edouard-Thomas Simon. – Über den Aufsehen erregenden Fall der 1732 in Grenoble geborenen und getauften Anne Grandjean, die im Alter von 14 ihr körperliches Interesse an Frauen entdeckte. Ihr offensichtlich liberaler Vater akzeptierte ihre Gefühle und arrangierte eine neue Taufe auf den Namen Jean-Baptiste. Anne bzw. Jean-Baptiste führte nun das Leben eines Mannes; als 32jähriger mit Françoise Lambert verheirateter Mann in Lyon lebend wird er von einer Jugendfreundin bei seiner Gattin als Hermaphrodit denunziert. Grandjean wurde vor Gericht gestellt, als „Schänderin des Ehesakraments“ zu Halseisen, Rute und Rohrstock.verurteilt. Nach einem Berufungsverfahren mit dem Verfasser der Schrift, Vermeil, als Anwalt, kommt sie frei unter der Auflage, Frauenkleider anzulegen und keinerlei Kontakt zu Frauen aufzunehmen. Die Ehe wird annulliert; Anne Grandjean, die auf Anraten ihres Beichtvaters das Berufungsverfahren angestrebt hatte, wird „guter Glaube“ attestiert und damit Unschuld bei der Entweihung des Ehesakraments zugestanden. –  Bemerkenswert ist die Verwendung des Begriffes „Hermaphrodit“ für eine lesbische Frau, die Männerkleidung trägt. – Siehe zu dem Fall auch ausführlich: Michel Foucault, Die Anormalen. Vorlesungen am College de France. – Name auf Titel. SS. 27-30 „schief“ gedruckt.

 

 

Abhandlung vom Opio, oder Mohnsafte

Young, George: Abhandlung vom Opio, oder Mohnsafte, auf Praktische Bemerkungen gegründet. Aus dem Englischen übersetzt. Bayreuth, Lübeck 1760. 4 Bll., 214 S., 1 Bl. – Angebunden: II.: Armstrong, George: Versuch von den vorzüglichsten und gefährlichsten Kinder-Krankheiten. Nebst Regelns, welche man bey dem Säugen der Kinder, wie auch bey solchen beobachten muß, die ohne Brust aufgezogen werden. Aus dem Englischen. Celle, Gsellius 1769. Mit gr. Holzschnitt-Vignette auf Titel. 80 S. – III.: Löseke, Johann Ludwig Leberecht: Neue und seltene Anatomisch-chirurgisch-medicinische Wahrnehmungen mit Kupferstichen erläutert. Zweyte verbesserte Ausgabe. Berlin und Stralsund, Lange, 1767. Mit Holzschnitt-Titelvignette und 3 gefalteten Kupfertafeln. 8 Bl., 78 S. HLdr. d. Zt. mit Rückenschild. €1800

I.: Vgl. Blake 497 u. Waller 10435 (engl. Erstausgabe 1753). – Erste deutsche Ausgabe der Monographie des Edinburgher Arztes über das Opium: „… so sage ich hier nach einer dreyssigjährigen ununterbrochenen Ausübung der Arzneykunst, meine aufrichtige Meynung, daß der Mohnsaft ein Gift ist, wodurch täglich eine große Anzahl Menschen zu Grunde gerichtet werden; in der That nicht, durch solche Doses, die plötzlich tödten … sondern wenn solches zur Unzeit in solchen Krankheiten und solchen Leibesbeschaffenheiten gegeben wird, vor die es sich nicht schicket“ (Vorrede). – III.: Über Anomalien am Schulterblatt, an Trommelfell und Gehörknochen, an Herz- und Lungenpulsader sowie am Blinddarm; der Anhang behandelt die Färberröthe an Knochen der Tiere. —- Gutes Exemplar!

Türkisch lernen leicht gemacht!

Clodius, Johann Christian: Compendiosum Lexicon latino-turcico-germanicum, in quo non solum voces et phrases usitatae continentur, sed etiam illarum lectio, adjectis ubique observationibus variis, ad statum ecclesiacticm, politicum, et militarem pertinentibus. Cum praefatione de lingua et litteratura Turcarum, corruptis que vulgari pronuntiatione, nominibus ministorum aulae Turcicae. Accessit triplex index, ac grammatica Turcica. Leipzig, Deer 1729 –  1730. Mit gestoch. Frontispiz. 15 Bll., 928 S., 124 nn. Bll.; 162 nn. Bll., 192 S. Prgt. d. Zt. mit handschriftl. Rückentitel.               €2000

Erste Ausgabe. – Graesse II, 203; Zaunmüller 390; Zenker BO I, 90; nicht bei Blackmer u. Atabey – Jöcher I, 1968 – Seltenes dreisprachiges Lexikon mit einer knappen Grammatik, Lerndialogen und einer Sprichwortsammlung. – Joh. Chr. Clodius war ein Schüler von Danzen und später in Leipzig Prof. Lingvä arabica. – Tls. braun- bzw. stockfleckig, insgesamt sehr gutes Exemplar!

Barth’s Reisen in Afrika

Barth, Heinrich: Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika in den Jahren 1849-1855. 5 Bände. Gotha, Perthes, 1857 – 1858. Mit 16 (4 teilkol.) Faltkarten, 60 farb. lith. Tafeln, 1 gefalt. Planskizze u. zahlr. Textholzstichen OLwd.                €2500

Kainbacher 29; Griep-Luber 81; Henze I, 82. – Erste Ausgabe. – Der Bericht über die von H. Barth 1849-55 unternommenen Reise durch Nord- und Zentralafrika ist ein bedeutendes Dokument der deutschen Afrikaforschung des 19. Jhs. Hauptzweck der von A. Petermann angeregten Expedition waren neben der wissenschaftl. Erforschung des Gebietes die Abschaffung des Sklavenhandels und Einrichtung neuer Handelsbeziehungen mit den sudanesischen Staaten. 1855 kehrte Barth als einziger europäischer Überlebender von der Expedition zurück. Er ließ danach seinen Reisebericht in deutscher und englischer Sprache erscheinen. „Was vorher bruchstückhaft und unverständlich aus arabischen Berichten … dagelegen hatte, wurde nun erst verständlich. Barth hat Zusammenhänge aufgedeckt, die weit über sein eigentliches Reisegebiet hinausgreifen. Er war ein nie ermüdender Notierer und Registrierer … Größte Sorgfalt legte er auf die Routenaufnahme, die auf 18000 Kilometern eine Riesenzahl topographischer Neuheiten erschloß, wodurch die Afrika-Karte ein ganz neues Gepräge erhielt … Das Hauptgewicht seiner Forschungen liegt auf historisch-ethnographisch-linguistischem Gebiet, das … in ungeahnter Weise bereichert wurde.“ (Henze I, 180f.) – Die zarten Lithographien wurden nach Barths Skizzen von dem bekannten Afrika-Maler J. M. Bernatz angefertigt, die Karten stammen von A. Petermann. – Unbeschnitten und tls. unaufgeschnitten. Etwas stockfleckig, insgesamt sehr gutes Exemplar!

Buch der Woche
Räuber am Rhein
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Becker, (Johann Nikolaus): Actenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beyden Ufern des Rheins. Erster Theil. Enthaltend die Geschichte der Moselbande und der Bande des Schinderhannes. Zweyter Theil. Enthaltend die Geschichte der Brabäntischen, Hollaendischen, Mersener, Crevelder, Neusser, Neuwieder und Westphaelischen Räuberbande; aus Criminal-Protocollen und geheimen Notitzen des Br. Keil, ehemaligen öffentlichen  Ankläger im Ruhr-Departemente, zusammengetragen von Einem Mitgliede des Bezirks-Gerichts in Cöln. 2 Tle. in 1 Band. Köln, Keil 1804. 1 Bl., 68, 152 S.; 1 Bl., 474 S., 1 Bl. HLdr. um 1850.     €1800

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